Gruppen & Veranstaltungsservice - Gästeführungen

Neustadt an der Weinstraße

Stadt des Hambacher Festes

Das Hambacher Fest im Einzelnen: Am 27. Mai 1832 versammelten sich in Neustadt ca. 30 000 Menschen aus allen Teilen Deutschlands, um gemeinsam auf das Hambacher Schloss zu ziehen und dort für mehr Bürgerrechte und ein geeintes Deutschland zu demonstrieren. Es sollte ein Fest der Hoffnung sein, ein Zeichen für Freiheit und nationale Einheit, gegen Gewalt. Eingeladen hatte die Neustadter Gruppe des kurz zuvor in Zweibrücken gegründeten „Deutsche Vaterlandsverein zur Unterstützung der freien Presse“. Unterstützung war notwendig, denn die Presse war vielfältigen Behinderungen ausgesetzt. Es wurde zensiert, Beschlagnahmen und Strafen gegenüber Journalisten, die es wagten, über Missstände zu schreiben, waren an der Tagesordnung.

In der Pfalz waren die Verhältnisse vergleichsweise liberal. Zu Zeiten Napoleons war man hier französisch gewesen mit all den Rechten, die die Frz. Revolution den Bürgern gebracht hatte. Viele dieser Rechte hatte man 1816 hinüber retten können in die Zugehörigkeit zu Bayern. Kritische Journalisten hatten es hier etwas leichter. Wirtschaftlich war die Situation der Pfalz allerdings denkbar schlecht. Bayern zog hohe Steuern ein, ohne zu investieren. Im Gegenteil, Zollverträge mit anderen deutschen Staaten klammerten die Pfalz ausdrücklich aus und isolierten sie völlig. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung war groß. In dieser Situation erschien im April 1832 in den Zeitungen der Region ein Aufruf, den 26. Mai, den bayerischen Verfassungstag, doch auf dem Hambacher Schloss zu feiern.

Diesen Aufruf nahm der im heutigen Neustadter Ortsteil Haardt wohnende Journalist Siebenpfeiffer zum Anlass, für die Neustadter Gruppe des Pressvereins eine Einladung zu einem Fest auf dem Hambacher Schloss für den Tag danach zu veröffentlichen. Denn nicht Vergangenes wollte man feiern, sondern Zukünftiges: Die ersehnte Einheit Deutschlands in Recht und Freiheit.

Angesichts der politischen Spannungen wurde das geplante Fest von der Regierung umgehend verboten. Auf die selbstbewusste pfälzische Bevölkerung wirkte dieses Verbot wie eine Provokation. Und als es wegen des enormen öffentlichen Druckes zurückgenommen werden musste, bedeutete das eine öffentliche Niederlage für die Regierung und einen gefeierten Sieg für die liberale Bewegung. Das Fest gewann durch diese Vorgeschichte eine ungeheuere Popularität, nicht nur in der Pfalz. Weite Teile der Bevölkerung in ganz Deutschland identifizierten sich mit den Ideen und Zielen der Veranstalter und ließen sich mobilisieren. 60 000 Einladungen wurden versandt, ca. 30 000 Gäste kamen. Es herrschte Hochstimmung. Wenn auch viele Teilnehmer aus der näheren Umgebung stammten und keine Übernachtungsmöglichkeiten benötigten, so gab es doch genug Auswärtige, die schon Tage vorher anreisten, und deren Unterbringung die Stadt Neustadt mit ihren damals knapp 6000 Einwohnern vor große Probleme stellte. Für Viele gab es als Nachtlager nur Strohsäcke in großen Sälen. Die Verköstigung so vieler Menschen ließ Lebensmittel knapp werden.

Unter des Gästen waren berühmte Persönlichkeiten der Zeit. Ludwig Börne war aus Paris angereist. Polnische Freiheitskämpfer auf dem Weg ins französische Exil wurden als Ehrengäste gefeiert. In der Buchhandlung am Marktplatz gab es schwarz-rot-goldene Kokarden zu kaufen sowie die Texte der Lieder, die unterwegs gesungen werden sollten. Die Neustadter Gruppe des Pressvereins bereitete das Fest vor. Am Morgen des 27. Mai versammelte man sich um 8.00 Uhr auf dem Neustadter Marktplatz und zog unter Glockengeläut in langer, wohlgeordneter Prozession mit Fahnen und Musik in Richtung Hambach. Das Neustadter Pressvereinsmitglied Philipp Abresch trug die schwarz-rot-goldene Fahne mit der Aufschrift „Deutschlands Wiedergeburt“, die später auf dem Turm des Schlosses gehisst wurde. Zum ersten Mal wurden hier die Farben schwarz-rot-gold öffentlich als Fahne gezeigt.

Ein weiterer Neustadter, der Arzt Dr. Philipp Hepp, hielt die Begrüßungsansprache. Es folgten die beiden Hauptakteure Siebenpfeiffer und Wirth und weitere 22 Redner. In leidenschaftlichen Worten forderten sie all das, wonach sich die Menschen damals politisch sehnten, vor allem ein geeintes Deutschland, eine rechtsstaatliche Verfassung, Pressefreiheit, Beseitigung der Zollschranken und – 1832! – ein „konföderiertes Europa“. Nach Einbruch der Dunkelheit feierte man weiter in den Neustadter Gaststätten. Am nächsten Tag versammelten sich etwa 200 Festteilnehmer im Neustadter „Schießhaus“, um über das weitere Vorgehen zu diskutieren. Sie wählten 20 Vertrauensleute, die sich zur weiteren Beratung in das Haus des Abgeordneten Schoppmann zurückzogen.

Einzig konkretes Ergebnis war der Auftrag an den Journalisten Georg Wirth, eine offizielle Festbeschreibung zu verfassen. Ansonsten sollte jeder nach eigenem Gutdünken handeln. Das Hambacher Fest fand in der Öffentlichkeit große Beachtung. Viele Zeitungen berichteten ausführlich darüber. In manchen Orten kam es unmittelbar danach zu Tumulten.

Bemalte Pfeifenköpfe, bedruckte Tücher usw. hielten die Erinnerung an das Fest lebendig. Die reaktionären Staaten des Deutschen Bundes waren über das Geschehen auf dem Hambacher Schloss empört. Metternich nahm es zum Anlass für weitere Verschärfungen der Presse- und Versammlungsfreiheit im gesamten deutschen Bund. Unter dem Druck von Preußen und Österreich verlegte Bayern 8000 Soldaten in die Pfalz, die für Ordnung sorgen sollten. Die Regierung griff hart durch. Die Wortführer des Festes wurden, soweit sie nicht ins Ausland geflohen waren, festgenommen. Gegen 13 Personen wurde nach 14monatiger Untersuchungshaft im Juli 1833 der Prozess wegen Hochverrats eröffnet. Er endete sensationell mit dem Freispruch für alle Angeklagten. Wirth und Siebenpfeiffer kamen dennoch nicht frei. Sie wurden erneut vor Gericht gestellt, diesmal vor ein Zuchtpolizeigericht wegen „Beleidigung von Behörden“. Beide erhielten die Höchststrafe von zwei Jahren Gefängnis. Siebenpfeiffer gelang mit Hilfe der Bevölkerung die Flucht. Er ging in die Schweiz und starb dort 1845. Wirth widersetzte sich einem Befreiungsversuch, verbüßte seine Strafe, ging anschließend ebenfalls in die Schweiz, kehrte 1847 zurück, wurde 1848 Ersatzdelegierter bei der Paulskirchenversammlung, starb aber noch im gleichen Jahr in Frankfurt.

Damals wie heute steht das Hambacher Schloss, hoch oben über der Deutschen Weinstraße, als Symbol für Freiheit, Bürgerrechte, nationale Einheit und ein "conföderiertes Europa". Wussten Sie, dass schon damals, vor 175 Jahren, die Bürgerrechtler erstmals Fahnen mit den Farben Schwarz, Rot und Gold als "Trikolore" mit sich trugen? Erfahren Sie mehr über die bewegte Geschichte, um den Kampf für die deutsche Demokratie während einer mitreißenden Führung.

Buchbar? ganzjährig

Dauer? 2 Stunden

Teilnehmerzahl pro Führung? max. 30 Personen

Fremdsprachen: engl., franz.

Preis pro Gruppe?
€ 53,- (Fremdsprache: 68,- €)

Das Hambacher Schloss - spektakulär beleuchtet

Das Hambacher Fest gilt als die erste große Massendemonstration der neueren deutschen Geschichte. Alle Bevölkerungsschichten, Bauern, Handwerker, Geschäftsleute, Journalisten, Akademiker, Politiker, Studenten, - Männer und Frauen – waren vertreten. Sie waren aus allen Teilen Deutschlands hierher zusammen gekommen, um das auszudrücken, was sie für ihre politische Zukunft erhofften.

Wenn die Ideen der Hambacher damals auch keinen unmittelbaren Erfolg hatten, so wirken sie doch bis heute fort. Der Text der bundesdeutschen Nationalhymne: „Einigkeit und Recht und Freiheit....“ trifft genau den Kern der Wünsche, die 1832 im Mittelpunkt des Hambacher Festes standen. Zu Recht wird das Hambacher Schloss daher von Vielen gern als „Wiege der deutschen Demokratie“ bezeichnet.

Mehr Informationen über Neustadt an der Weinstraße und seine Weindörfer finden Sie hier!

www.neustadt.pfalz.com
Neustadt zum Hören
www.deutsche-weinstrasse.de
www.pfalz.de
Das Hambacher Schloss - Wiege der deutschen Demokratie

Die Originalfahne des Hambacher Festes 1832 - vermutlich von der Familie Abresch gefertigt

Johann Philipp Abresch

Philipp Jakob Siebenpfeiffer

Das Hambacher Schloss vor der Renovierung